Gemeinde Klipphausen

Historische Mühle vor dem Verfall gerettet

Steffi und Markus Flade restaurieren die Preiskermühle in Semmelsberg

 

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Steffi Flade bei der Restaurierung eines Altar-Podestes für das Kloster St. Marienthal.

 

Die Mühle ist ein mystischer Ort. Sagen und Legenden berichten von weisen Frauen, von verzauberten Königstöchtern, die von Müllerburschen erlöst werden. Dichter erzählen vom Klappern am rauschenden Bach, Chöre wissen von der Lust des wandernden Müllers. „Die Mühlenromantik spielt schon eine große Rolle. Es ist mein Lebenstraum, in einer Mühle zu arbeiten und zu wohnen“, sagt Markus Flade. Der 42-Jährige lebt seit 2004 mit seiner Familie in der Preiskermühle in Semmelsberg in der Gemeinde Klipphausen. Das Anwesen, wunderschön an der Kleinen Triebisch zwischen Wiesen, Auen und bewaldeten Hängen gelegen, hat eine lange Tradition. Die ehemalige Wassermühle wurde 1548 erbaut, war über Jahrhunderte Getreidemühle, Bäckerei und Gaststätte. Der deutsche Dichter der Romantik Otto Ludwig (1813-1865) weilte oft hier. Aber auch für viele Meißner und Dresdner war die Wassermühle früher ein beliebtes Ausflugsziel. Doch 1984 wurde der Gaststättenbetrieb eingestellt, die Besitzer wechselten, es gab keine Nutzung mehr. Das denkmalgeschützte Ensemble mit dem schönen Fachwerk stand seit 1998 leer, verfiel immer mehr. Mühle, Gaubenhaus und Scheune drohten einzustürzen.

 

„Wir riskierten es. Ende 2003 erwarben wir das 15 000 Quadratmeter große Areal. Wir wollten den Dreiseithof in seinem historischen Bestand wieder aufbauen“, sagt Markus Flade. Millionen dafür hatten das junge Ehepaar nicht, aber den Ehrgeiz und fachlich beste Voraussetzungen. Steffi (41) und Markus Flade lernten beide in den Deutschen Werkstätten Dresden Hellerau Tischler, studierten an der Fachhochschule Potsdam, erwarben das Diplom in der Holzrestaurierung.

Mit Freunden, Handwerkern und weiteren Restauratoren hat die junge Familie in den vergangenen Jahren ihren Lebenstraum schon weitgehend verwirklicht. Das historische Gaubenhaus, wo Flades mit ihren drei Kindern wohnen, wurde liebevoll restauriert. Zu den Zukunftsplänen der Familie gehört es, in der ehemaligen Scheune ein Café einzurichten, ebenso eine Schankwirtschaft im Gästegarten am Gondelteich. Auch das alte Mühlengebäude mit der technischen Anlage soll noch als Denkmal rekonstruiert werden. Doch schon seit mehreren Jahren ist die Preiskermühle zum Mühlentag am Pfingstmontag ein Besuchermagnet. „An die 5 000 Gäste werden es wohl diesmal gewesen sein“, sagt Markus Flade. Die Besucher machten sich mit der Geschichte der Wassermühle vertraut und fanden Erholung am Teich, wo seit einiger Zeit auch wieder gegondelt werden kann. „Zusammen mit dem Förderverein der Preiskermühle wollen wir jetzt die Naturstein-Einfassungen am Teich erneuern“, bemerkt der Mühlenbesitzer. Im Erdgeschoss im Gaubenhaus wollen Flades bis Ende dieses Jahres ein neues Werkstatt-Büro einrichten. Denn das Ehepaar hat sich nicht nur mit der bisherigen Restaurierung der Preiskermühle weithin einen Namen gemacht, sondern auch mit ihren Projekten in der Holzwerkstatt, wo sie eine Kombination aus alter Handwerkskunst und modernen wissenschaftlichen und technischen Methoden vereinten. So haben die beiden Holzexperten jetzt sieben barocke Gestühle und zwei Altar-Podeste des Klosters St. Marienthal in der Oberlausitz restauriert. Auch in Wittenberg war ihr Wissen und Geschick gefragt. In der Schlosskirche, wo Luther einst seine Reformationsthesen anschlug, restaurierten sie Ende letzten Jahres das Fürstengestühl, den Kaiserstuhl und die Kanzel.

Schritt für Schritt wollen sie nun bei der Sanierung ihres Mühlen-Areals weiter vorankommen. Doch diese soll auch so erfolgen, dass die finanziellen Ausgaben verkraftbar sind. Und der Mühlenbesitzer verhehlt auch nicht, dass kreisliche Behörden durch Planungs-Einwände, die aus seiner Sicht völlig überzogen seien, einen schnelleren Ausbau verzögern. „Was zählt, ist doch der Erhalt eines denkmalgeschützten Mühlengehöftes“, bemerkt der 42-Jährige. Und mit Bausachen kennt er sich aus, auch als Gemeinderat und als Mitglied des Entscheidungsgremiums des Leader-Gebiets Lommatzscher Pflege. „Familie Flade hat ein historisches Gebäudeensemble vor dem Verfall gerettet“, sagt Bürgermeister Gerold Mann. Markus Flade würde sich auch engagiert für das Gemeinwohl einsetzen. „Seine Fachkompetenz als Gemeinderat ist geschätzt“, so Mann.

(Text und Foto: Dieter Hanke)

 

 

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